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Angebote für die psychosoziale Betreuung

In Krisenlagen stehen Rettungskräfte und Einsatzleistende oft unter Stress; auch mit persönlich belastenden Situationen ist zu rechnen. Zum umfassenden Katastrophenmanagement gehört deshalb eine psychosoziale und emotionale Betreuung. Auch jetzt, bei der Bewältigung der Corona-Pandemie.

01.05.2020 | Kommunikation BABS

Wie verkraften direkt Betroffene, das Gesundheitspersonal oder temporär aufgebotene Hilfs- und Einsatzkräfte überaus belastende Momente?

Es geht um Leben und Tod: Per Ende April haben sich in der Schweiz fast 30’000 Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Gegen 20’000 gelten als genesen. Allerdings starben bisher etwa 1700 Personen an der Covid-19-Erkrankung. Zwar melden die Kantone zur allgemeinen Erleichterung nun einen starken Rückgang der Fälle. Doch Virologen gehen von einer Dunkelziffer bei den Ansteckungen aus und warnen vor der zweiten Welle. Trotz täglicher Statistik weiss deshalb niemand, wie weit fortgeschritten die Pandemie wirklich ist. Was die aktualisierten Zahlen jedoch ebenso wenig erzählen: Wie verkraften direkt Betroffene, das Gesundheitspersonal oder temporär aufgebotene Hilfs- und Einsatzkräfte überaus belastende Momente?

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Vielerorts - wie hier in Genf - wird eine psychosoziale Betreuung angeboten, wozu auch speziell geschulte Nothelfer aus Zivilschutzorganisationen zum Einsatz kommen (Bild: DR et PCi).

Tatsächlich haben kantonale Krisenstäbe vorgesorgt: Vielerorts wird eine psychosoziale Betreuung angeboten, wozu auch speziell geschulte Nothelfer aus Zivilschutzorganisationen zum Einsatz kommen. Der Kanton Genf meldet, dass deutlich über 2000 Personen den Care-Dienst bereits in Anspruch nahmen (vgl. Link unten). Auch im Nachbarkanton ist psychologische Hilfe, je länger die Pandemie dauert, umso häufiger gefragt. «Zu Beginn der Krise wurde die Hotline stärker beansprucht. Seit Anfang April nimmt die Zahl der Anrufe ab. Dies zeigt, dass das Gesundheitssystem gut funktioniert und die Leute die normalen Strukturen nutzen», erklärt Yves Froté, der die psychologische Nothilfe im Kanton Waadt koordiniert. Überrascht ist der Krisenexperte nicht: «Die Bedrohung erscheint vielen Personen diffus und nicht greifbar.» Die öffentliche Wahrnehmung sei deshalb individuell und subjektiv geprägt. Aber wie bereitet sich der Notdienst darauf vor? «Bei uns nehmen Fachpersonen unterschiedlicher Betreuungsdisziplinen die Anrufe entgegen und helfen sich gegenseitig aus», ergänzt Froté. Neben Betreuungsprofis sind im Auftrag der Waadtländer Gesundheitsversorgung wie in Genf auch ehrenamtliche Care-Givers aktiv.

Neuenburg: institutionelle Regelung

In anderen Kantonen steigt der Bedarf an psychologischer Nothilfe ebenso. So melden etwa die Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel «Engpässe in Pflege und Betreuung». Gemäss Anke Höster-von Moock, Leiterin der Abteilung Human Resources UPK Basel, helfe man sich aber selbst aus: «Die Coronakrise überbrücken wir mit Zivildienstleistenden, nach individueller Absprache und mit Einverständnis der verantwortlichen Stellen.»

Demgegenüber profitiert Neuenburg davon, dass die Care-Arbeit für Krisenzeiten institutionell geregelt ist. Zur kantonalen Zivilschutzorganisation gehört eine etwa zwanzigköpfige Einheit für psychosoziale Intervention (UNIP). Die Zivilschutzangehörigen nennen sich «Care-Giver»; sie wurden nach den Standards des Nationalen Netzwerks Psychologische Nothilfe (NNPN) ausgebildet. Einige sind nun im Covid-19-Dienst und für das kantonale Zentrum für Psychiatrie unterwegs. Gemäss Nicole Baur, Sprecherin des Neuenburger Krisen- und Katastrophenstabs, «arbeiten sie für die Hotline, um Menschen in psychischer Not zu beraten.» Oder sie begleiten jeweils eine psychologische Fachperson, um als mobile Einheit «emotionale Erste Hilfe für die Bevölkerung oder das Gesundheitspersonal» zu leisten. Eine Einschränkung gibt es aber: Die Notfall- und Rettungsprofis kümmern sich selbst um sich. Hierfür sorgen sogenannte Peers, Angehörige ebendieser Einsatzorganisationen, die für die psychologische Betreuung ihrer Kollegen ausgebildet sind.

Hilfsangebot auch im Wallis

Auch der Kanton Wallis vertraut auf ein «PsyCovid19»-Hilfsangebot. Dafür spannen viele Institutionen zusammen, von den kantonalen Rettungsorganisationen über Spitäler, Alters- und Pflegeheime bis zu angestellten oder freiberuflichen Fachleuten. So hält sich in stationären Pflegeeinrichtungen ein Care-Pool aus Psychologen, Psychiatern, Seelsorgern und Sterbebegleitern bereit, um Erkrankte, Angehörige und das Personal unmittelbar zu betreuen. Für die breite Bevölkerung «haben wir zusätzlich eine eigene Helpline eingerichtet», sagt Bernadette Stucky, Chefärztin am Psychiatriezentrum Oberwallis.

Zwar stehen für die psychologische Covid19-Zusatzhilfe im Rhonetal ausschliesslich professionelle Fachkräfte zur Verfügung. Doch das Wallis möchte eine breiter abgestützte Notfallorganisation wie andere Westschweizer Kantone auch. In Vorbereitung ist deshalb die Gründung eines Netzwerks aus ehrenamtlichen «Care-Givers» und professionellen «Peers». Gut möglich, dass in einer nächsten Krisenlage auch hier Zivilschutzangehörige psychosoziale Nothilfe leisten können.