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Der Zivilschutz Solothurn stützt sich auf erprobtes Impfkonzept

In der ganzen Schweiz wird in rekordverdächtigem Tempo geimpft. Vielerorts unterstützt der Zivilschutz die gross angelegten Kampagnen. Im Kanton Solothurn übernimmt er eine leitende Rolle im Betrieb der grossen Impfzentren. Dabei kann er sich Erfahrungen zunutze machen, die er in den letzten Jahren bei der Vorbereitung eines Pandemieszenarios gesammelt hat.

01.07.2021 | Kommunikation BABS

Peter Huber, frisch pensionierter Leiter Zivilschutz im Amt für Militär und Bevölkerungsschutz, konnte ein bestehendes Konzept für Massenimpfungen auf die Covid-19-Situation adaptieren (Bild: Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Solothurn).

Drei Impfzentren (in Solothurn, Olten und Breitenbach) mit einer Kapazität von 3500 Impfungen pro Tag sowie acht mobile Impfteams hat der Zivilschutz im Kanton Solothurn organisatorisch aufgebaut und unterstützt deren Betrieb. Die Verantwortung liegt beim Kantonsarzt, welcher die Impfdosen-Logistik und das dazu nötige medizinische Personal organisiert. Der Zivilschutz kümmert sich um Kontrollen, managt den ganzen Ablauf und erfasst alle Arbeitsschritte im vom Bund vorgegebenen EDV-Programm. Dazu sind je nach Grösse des Impfzentrums 25 bis 60 Angehörige des Zivilschutzes notwendig. Täglich sind zurzeit 120 bis 140 Zivilschützerinnen und Zivilschützer von Montag bis Samstag neun bis zehn Stunden im Einsatz. Über 10 000 Personentage wurden bereits zugunsten der Impfzentren im Kanton Solothurn geleistet.

Der Kanton Solothurn betreibt drei grosse Impfzentren in Solothurn, Olten und Breitenbach, die durch den Zivilschutz errichtet wurden (Bild: Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Solothurn).

Einzige Organisation mit entsprechender Erfahrung

Der Kantonale Führungsstab Solothurn analysiert wie alle anderen Kantone regelmässig die möglichen Gefahren für die Bevölkerung und erstellt Konzepte und Pläne für deren Bewältigung. In der Grundlagenstudie Katastrophen und Notlagen Schweiz des BABS ist das Risiko einer Pandemie bereits 2015 als hoch eingestuft worden. Der gesetzliche Auftrag des Zivilschutzes beinhaltet explizit die Unterstützung der Partner im Bevölkerungsschutz, zu welcher auch das Gesundheitswesen gehört. Infolgedessen hat der Kantonale Führungsstab bereits 2015 mit dem Kantonsarzt die Frage geklärt, wie der Zivilschutz in einer möglichen Pandemie das Gesundheitswesen unterstützen könnte.

Diego Ochsner, Chef des kantonalen Amtes für Militär und Bevölkerungsschutz, erinnert sich: «Man ging davon aus, dass das Gesundheitswesen in einer Pandemie an seine Grenzen stossen würde oder überlastet wäre. Sollte dann vom Bund die Aufforderung zur Massenimpfung kommen, würde diese ein bereits überbeanspruchtes Gesundheitswesen zusätzlich belasten. In der Folge erhielt der Zivilschutz den Auftrag, Spitäler und Altersheime in der Pflege zu unterstützen und sich darauf vorzubereiten, Impfzentren aufzubauen und zu betreiben.»

Ein Konzept zum Betrieb von grossen Impfzentren entstand. 2016 wurde eine erste Impfübung in Grenchen durchgeführt. Eine zweite Übung im Rahmen der Grippeimpfkampagne erfolgte 2018 in Olten. Damit waren die Vorbereitungen zum Betrieb von Impfzentren im Pandemiefall abgeschlossen.

Zwei Jahre später trat tatsächlich der Ernstfall ein. «Als der Auftrag zum Impfen im Dezember 2020 vom Bund an die Kantone gelangte, mussten wir nur noch aufgrund der Liefermengen die nötigen Impfzentren und die Kapazitäten bestimmen», sagt Peter Huber, abtretender Leiter Zivilschutz. «Alles andere – etwa der Impfprozess, die Durchlaufzeiten, der Ablauf und die Organisation – konnten wir aus den bestehenden Impfplänen entnehmen. Die Vorbereitung hat sich zu hundert Prozent bewährt.» Dank der guten Vorarbeit in den vergangenen Jahren ist der Kanton Solothurn von Beginn weg in der Lage gewesen, alle gelieferten Impfdosen zeitnah zu verabreichen.

Gesundheitsamt, kantonaler Zivilschutz und regionale Zivilschutzorganisationen im Zusammenspiel

Zu Beginn unterbreitete der Zivilschutz dem Gesundheitsamt Vorschläge, wie die vorgesehenen Mengen verimpft werden können Und suchte Standorte für die Impfzentren. Er passte die bereits vorhandenen Impfablaufschemen und Einrichtungsvarianten an und legte sie dem Gesundheitsamt zur Genehmigung vor. Mitte Dezember erfolgte die Befehlsgebung an die regionalen Zivilschutzorganisationen. Noch vor Weihnachten wurde aufgebaut und zwischen Weihnachten und Neujahr zusätzlich notwendige Ausrüstung, etwa Kühlbehälter und andere medizinische Hilfsmaterialien, beschafft. So war es möglich, bereits im Dezember die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Angestellten des ersten Altersheims (in Breitenbach) zu impfen. In den ersten zwei Monaten waren es die Unsicherheiten bezüglich der verfügbaren Impfdosen und die wöchentlich neuen, zusätzlichen Auflagen seitens des BAG, welche den Zivilschutz besonders forderten.

In der laufenden Impfkampagne bringt sich der Zivilschutz in der Impfplanung ein und bestimmt in Abhängigkeit von den verfügbaren Impfdosen mit, wie viele Impfboxen geöffnet werden. Zudem öffnet er die Impfschienen, damit das System der Bevölkerung neue freie Impftermine zur Verfügung stellt.

Angehörige des Zivilschutzes und medizinisches Fachpersonal arbeiten Hand in Hand, hier bei der medizinischen Triage (Bild: Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Solothurn).

In den Impfzentren führt der Zivilschutz die Eingangskontrolle durch und leitet die erfolgreich Angemeldeten zur Registration weiter. Hier werden die Personalien (Versicherungskartennummer etc.) überprüft und ergänzt. Weiter werden die notwendigen Anamnese-Fragen gestellt. Wer eine oder mehrere der medizinischen Fragen mit ja beantwortet, wird zum Arzt geleitet. 

Die Impfzentren erreichen regelmässig sehr hohe Werte bei der Kundenzufriedenheit (Bild: Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Solothurn).

Die andern gehen direkt zur Impfbox, wo die Impfung verabreicht und der Impfausweis gestempelt und visiert wird. Die Ruhezone, die dazu dient, auffällige Reaktionen auf die Impfung noch vor Ort zu erkennen, beaufsichtigt ebenfalls der Zivilschutz. Beim Entlassungsdesk erhalten alle Geimpften einen Impfnachweis und Broschüren über das Verhalten nach der Impfung.

Bei den mobilen Impfteams stellt der Zivilschutz je 2 Personen für den Transport und die Registrierung.

Die Impfzentren erreichen regelmässig sehr hohe Werte bei der Kundenzufriedenheit (Bild: Amt für Militär und Bevölkerungsschutz Solothurn).

Lange Einsatzzeiten fordern den Zivilschutz

Der Aufbau der Impfzentren erfolgte unter sehr hohem Zeitdruck, was die regionalen Zivilschutzorganisationen Solothurn mit Unterstützung der kantonalen Zivilschutzverwaltung allerdings gut gemeistert haben.

Das Miliz-, aber auch das Berufskader des Zivilschutzes ist besonders gefordert. Bisher dauerten Einsätze eine bis maximal zwei Wochen, der Covid-19-Einsatz übersteigt diese Dauer um ein Mehrfaches. «Einen Einsatz über mehr als ein halbes Jahr mit hohem Qualitätsstandard zu führen, verlangt einiges ab», sagt Peter Huber. «Andererseits sind Kader und Truppe sehr motiviert. Die meisten Zivilschützerinnen und Zivilschützer sind dankbar, dass sie der Bevölkerung helfen können.» Die Einrückungsquote liegt überdurchschnittlich hoch. Das Gros der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber unterstützt den Einsatz, obwohl ihre Mitarbeitenden zum Teil kurzfristig in den Einsatz befohlen werden.

Die Sicherstellung von genügend Personal bedeutet in einer Milizorganisation auch hohen administrativen Aufwand. Dispensationsgesuche müssen geprüft und beurteilt werden, was zahlreiche E-Mails und Telefonate mit sich bringt. Viele Gesuche müssen mangels stichhaltiger Begründung und wegen der stark beanspruchten Personalbestände abgelehnt werden.

Hohe Zufriedenheit von Bevölkerung und Auftraggebern

Die Zufriedenheit der Geimpften wird mit Onlineumfragen ermittelt. Die Resultate lassen sich sehen. Von 5 maximalen Punkten werden Woche für Woche zwischen 4.8 und 4.9 erreicht. Zahlreiche positive Leserbriefe, Briefe an den Zivilschutz und Mailnachrichten gehen laufend ein. Viele Geimpfte haben zum Dank an die Zivilschützerinnen und die Zivilschützer sowie das medizinische Personal Schokolade und andere Süssigkeiten verteilt oder abgegeben. Auch das Gesundheitsamt ist zufrieden – alle Aufträge konnten vom Zivilschutz frist- und auftragsgerecht ausgeführt werden.

 

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit Peter Huber, Leiter Zivilschutz, Amt für Militär und Bevölkerungsschutz, Kanton Solothurn