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Seit einem Jahr im Corona-Einsatz: der Zivilschutz Genf

Der Genfer Zivilschutz ist früh mobilisiert worden. Und er wird auch bis zum Schluss im Einsatz stehen. Tausende von Diensttagen wurden zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie geleistet und ein breites Aufgabenspektrum erfüllt, vom Einsatz in der Leichenhalle bis zur Unterstützung der Gesundheitseinrichtungen im Rahmen der Teststrategie.

26.03.2021 | Kommunikation BABS

Berichten Zivilschützerinnen und Zivilschützer, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie im Einsatz sind, von ihren Eindrücken, ist sehr häufig Stolz, grosser Stolz, zu spüren. Stolz, es mit dem Virus aufgenommen zu haben. Stolz, einen Beitrag geleistet und eine gute Arbeit gemacht zu haben.

Seit seiner Mobilisierung vor einem Jahr hat der Zivilschutz in Genf seinen Auftrag zuverlässig erfüllt. Mit grossem Engagement bauen Angehörige des Zivilschutzes Testeinrichtungen auf, reinigen Ambulanzen, unterstützen Gesundheitseinrichtungen, leisten Sensibilisierungsarbeit auf Corona-Patrouillen oder betreuen die Corona-Hotline. Oberleutnant Baptiste Rausis, der seit 2000 beim Genfer Zivilschutz eingeteilt ist, freut sich: «Es ist enorm befriedigend zu sehen, dass der Prozess optimal funktioniert. Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal mit so vielen unterschiedlichen Akteuren Hand in Hand auf ein einziges Ziel hinarbeiten: diesen Kampf für die Gesundheit zu gewinnen.»

Die Bilanz zum Einsatz in der ersten Pandemiewelle ist noch nicht einmal gezogen, als sich am Ende eines unbeschwerten Sommers die zweite Welle aufbäumt. Unverzüglich werden die Zivilschutzangehörigen für neue Aufgaben aufgeboten, denn Covid-19 ist alles andere als aus der Welt. Diesmal wird die Mehrheit der Milizangehörigen für eine Schlüsselaufgabe der Genfer Strategie eingesetzt: das Testen. Vom Genfer Universitätsspital (HUG) werden sie in vier Stunden im Umgang mit dem Abstrichstäbchen geschult. Neben dem Testen an sich werden die Zivilschutzangehörigen die Patientinnen und Patienten auch vorgängig erfassen, ihnen währenddessen gut zureden und anschliessend jeden Arbeitsplatz wieder sorgfältig desinfizieren müssen.

Eine Ausbildung mit Zertifikatsabschluss

Die Zivilschützerinnen und Zivilschützer arbeiten konzentriert, die Handgriffe werden wiederholt, bis sie sitzen. Nach einem abschliessenden Test wird ihnen ein Zertifikat ausgestellt, das zur Durchführung von Nasen-Rachen-Abstrichen unter ärztlicher Aufsicht berechtigt. Über zweihundert Freiwillige haben das wertvolle Zertifikat erhalten und arbeiten mittlerweile seit mehr als zwei Monaten an der Seite des medizinischen Fachpersonals. Als treibende Kraft eines rigorosen Dispositivs sind sich die Genfer Zivilschutzangehörigen der Dimension ihrer unerlässlichen Aufgabe bewusst, wie Oblt Baptiste Rausis bestätigt: «Im ständigen Kontakt mit dem medizinischen Personal und der Bevölkerung zu sein, das ist in meinem Verständnis die Quintessenz des Zivilschutzes.»

Einsatz in der Leichenhalle

Der Mission einen Sinn geben: Das haben auch die Zivilschutzangehörigen erleben können, die zum Dienst in der Leichenhalle des HUG eingeteilt waren. Aufgrund der grossen mentalen und körperlichen Belastung wurden für diesen Einsatz nur Freiwillige ausgewählt. Ihre Aufgabe bestand hauptsächlich darin, Leichname umzuplatzieren. Für den Gefreiten Karim Melliti ist es eine schwierige Aufgabe, aber die mit dem Zivilschutz verbundenen Werte stehen für ihn im Vordergrund: «Mir war es ein Anliegen, zu helfen, dass die Verstorbenen unter den bestmöglichen Bedingungen gehen können. Ich bin dankbar, dass mir der Zivilschutz diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut hat. Wir hatten sehr viel zu tun, aber mein Kollege Mehdi und ich wollten unsere Arbeit gut machen. Wir waren die Ersten, die hier zum Einsatz kamen, und wir wollten ein gutes Bild vom Zivilschutz und von unserer Arbeit hinterlassen.» Dies ist gelungen, die Unterstützung wurde von den Fachleuten hochgeschätzt. Und weil sie bei dieser Arbeit während langen Stunden mit dem Tod in Berührung waren, erhielten die Zivilschützer entsprechende psychologische Unterstützung.

Eine Institution der Spitzenklasse

Eine erste Zwischenbilanz der verschiedenen Zivilschutzeinsätze zeigt mittlerweile gut verankerte Fähigkeiten. Der Zivilschutz, der aus der Zivilgesellschaft kommt und auch in deren Dienst steht, hat Flexibilität, Einsatzbereitschaft und Reaktionsfähigkeit bewiesen und kann auf vielseitige Kompetenzen in seinen Reihen zählen. Der Chef des kantonalen Zivilschutzes, Oberst Nicola Squillaci, präzisiert: «Die Bevölkerung hat erkannt, dass sie sich jederzeit auf das Know-how unserer Organisation verlassen kann. Der Einsatz hat zudem die Ausbildung beschleunigt: Die Jüngeren sind an der Aufgabe gewachsen, haben neue Kompetenzen entwickelt und damit auch ihre Arbeitsmarktfähigkeit gesteigert. Die Älteren haben ihr Wissen rückhaltlos weitergegeben.»

Auch wenn die Fähigkeit des Zivilschutzes, die verschiedenen Herausforderungen zu bewältigen, ausser Zweifel stand, ist es das Verdienst der Pandemie, in dieser Überzeugung selbst die höchsten Verantwortlichen bestärkt zu haben.

Laut dem Direktor des kantonalen Amts für Bevölkerungsschutz und Militär, Jérôme Felley, hat es in Genf noch nie einen Einsatz dieses Ausmasses gegeben: «Der Einsatz hat uns erlaubt, den Grundsatz und die Funktion des Zivilschutzes in der Gesellschaft fest zu verankern. Der Zivilschutz hat bewiesen, dass er beim Krisenmanagement und bei der Krisenbewältigung ein unverzichtbarer Akteur ist. Und die Bevölkerung hat engagierte Zivilschutzangehörige erlebt, die hochwertige Leistungen erbringen.»
Der Zivilschutz steht in Genf noch mindestens bis im Juni 2021 im Einsatz.


Emmanuelle Lo Verso
Amt für Bevölkerungsschutz und Militär (OCPPAM) des Kantons Genf

Seit seiner Mobilisierung vor einem Jahr hat der Zivilschutz in Genf seinen Auftrag zuverlässig erfüllt. Mit grossem Engagement bauen Angehörige des Zivilschutzes Testeinrichtungen auf, reinigen Ambulanzen, unterstützen Gesundheitseinrichtungen, leisten Sensibilisierungsarbeit auf Corona-Patrouillen oder betreuen die Corona-Hotline. (Bilder: Amt für Bevölkerungsschutz und Militär des Kantons Genf)