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Eine Einsatzequipe psychologische Nothilfe für Zivilschutzangehörige

Die Coronakrise verursacht auch psychische Belastungen. Seit Einberufung der Organisation zur Bewältigung von Katastrophen und ausserordentlichen Situationen des Kantons Genf (ORCA-GE) hat das Care-Team des Genfer Zivilschutzes fast 2500 Personen psychologisch betreut.

01.05.2020 | Kommunikation BABS

Seit Anfang der Krise haben die Frauen und Männer der Genfer Einsatzequipe psychologische Nothilfe gegen 450 Diensttage geleistet (Bild: DR et PCi).

Die psychosoziale Unterstützung für den Genfer Zivilschutz ist auf zwei Ebenen organisiert: Der erste, strategische Bereich besteht aus einem Offizier, der im kantonalen Einsatzkommando die Partnerschaften, Ausbildungen und weiteres festlegt. Die zweite Ebene ist operativ, organisiert als Einsatzequipe psychologische Nothilfe. Diese ist eine von sechs Sektionen der kantonalen Einsatzorganisation und direkt dem für die psychosoziale Hilfe zuständigen Offizier des kantonalen Führungsstabs unterstellt.

Die Einsatzequipe psychologische Nothilfe besteht aus einem Stabsoffizier, einem Unteroffizier, einem Gefreiten und fünf Zivilschutzsoldaten. Im Rahmen des COVID-19-Einsatz wurde das Care-Team mit neun Psychologen verstärkt, darunter zwei ehemalige Mitglieder, die 2019 aus der Dienstpflicht ausgeschieden sind. Damit besteht die Einsatzequipe psychologische Nothilfe für diesen Einsatz aus 17 Personen, wovon acht Frauen. Die Equipe besteht vor allem aus Dienstpflichtigen; diese werden von Freiwilligen unterstützt, die der Sektion nach dem COVID-19-Einsatz hoffentlich erhalten bleiben.

In erster Linie präventiv

Die Sektion steht den fast 3600 Genfer Zivilschutzangehörigen zur Verfügung. Sie interveniert in erster Linie präventiv in den Brennpunkten (Rettungsdienste, Krankenhäuser etc.) und stellt die psychologische Betreuung sicher. Jeweils unmittelbar nach Einsatzende und in den Gruppen findet ein Defusing statt. Bis Ende April wurden bereits mehr als 2500 Personen präventiv betreut.

Das Care-Team kommt auch dann zum Einsatz, wenn ein Vorgesetzter bei einem Dienstpflichtigen ein besonderes Bedürfnis feststellt. Es führt auch die individuelle Beratung und Nachbehandlung durch. Es ebenso für Angehörige von Partnerorganisationen, die im Einsatz sind, zur Verfügung. Zudem unterstützt das Care-Team das soziale Umfeld der im Einsatz stehenden Dienstpflichtigen, beispielsweise Eltern, die sich um ihren dienstleistenden Sohn sorgen.

Im Rahmen des ORCA-Plans ist die Einsatzequipe psychologische Nothilfe integraler Bestandteil des kantonalen Krisenstabs und insbesondere der psychosozialen Unterstützungszelle, in der alle im Kanton Genf verfügbaren Care-Teams (Polizei, SBB, Notfallseelsorge etc.) zusammengeschlossen sind. Die Einsatzequipe erlebt beim aktuellen Einsatz nach vielen grossen Übungen, die vom kantonalen Führungsstab organisiert wurden, ihre Feuertaufe.

Der Einsatz des Genfer Zivilschutzes hat bereits am 28. Februar 2020 begonnen, was der Einsatzequipe psychologische Nothilfe einen Aufwuchs erlaubte. Der entscheidende Moment war am 13. März, als der Genfer Staatsrat das komplette ORCA-GE-Dispositiv einberief. Gegen tausend Angehörige des Zivilschutzes wurden innert weniger als 48 Stunden mobilisiert. Seither kommen täglich mehrere Dutzend Aufträge auf den Zivilschutz zu. Dies Anfragen haben für die ursprünglichen acht Mitglieder des Teams zu einem grossen Einsatz mit hoher Intensität geführt.

Das Care-Team steht den fast 3600 Genfer Zivilschutzangehörigen zur Verfügung (Bild: DR et PCi).

Gegen 450 Diensttage geleistet

Seit Anfang der Krise haben die Frauen und Männer der Einsatzequipe psychologische Nothilfe – täglich zwischen 5.45 Uhr und 23 Uhr – gegen 450 Diensttage geleistet. Dank der Einführung eines Rotationssystems war es möglich, das breite Aufgabenfeld abzudecken, ohne psychische Überlastung der Mitglieder des Teams zu vermeiden. Der Kanton wurde in drei Sektoren aufgeteilt, und die Einsätze werden paarweise durchgeführt. Die beiden Personen ergänzen sich: Während die erste Person die Sitzung anhand eines Gesprächsleitfadens leitet, hat die zweite die Rolle des aktiven Zuhörers und stellt sicher, dass sämtliche Aspekte angesprochen werden.

Die Auftritte der Paare an den verschiedenen Standorten sind präventiv. Die Regelmässigkeit ermöglicht den Aufbau einer therapeutischen Beziehung. Die Dienstpflichtigen werden langfristig begleitet und positiv beeinflusst. Der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen dem Care-Team und den Dienstpflichtigen ermöglicht die Begleitung in qualitativer wie quantitativer Hinsicht.

Nächste Phase: Defusing

Angesichts der aktuellen Lage im Gesundheitsbereich und des Rückgangs der Aufträge bereitet die Einsatzequipe psychologische Nothilfe die nächste Phase vor: die Defusings der Kompanien, die ihre Einsätze beenden. Ziel ist es, dass alle Dienstpflichtigen ihre Erfahrungen und Gefühle mitteilen können und unbeschadet in ihr ziviles Leben zurückkehren können.

Von den 76 Einsätzen wurden 71 direkt vor Ort, die fünf verbleibenden später, ausserhalb der Präsenzzeit, telefonisch geführt.

Autor:

Nicola Squillaci, Chef des Amtes für Zivilschutz und Militär des Kantons Genf

Die Einsatzequipe psychologische Nothilfe besteht ursprünglich aus einem Stabsoffizier, einem Unteroffizier, einem Gefreiten und fünf Zivilschutzsoldaten (Bild: DR et PCi). Im Rahmen des COVID-19-Einsatz wurde das Care-Team mit neun Psychologen verstärkt.