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«Das Milizsystem beweist die Einsatztauglichkeit»

Seit dem 28. Februar ist der Zivilschutz Appenzell Ausserhoden ZSAR im Einsatz gegen Corona. Für Oberstleutnant Samuel Signer, Leiter des ZSAR, gibt es in der jetzigen Phase zwei grosse Herausforderungen: Die Qualitätssicherung und die möglichst ressourcenschonende Vorbereitung auf die nächsten Ereignisphasen.

29.04.2020 | Kommunikation BABS

Oberstleutnant Samuel Signer, Leiter der ZSAR im Gespräch mit einem Zivilschutzangehörigen (Bild: Zivilschutz AR)

Was ist derzeit die grösste Herausforderung des ZSAR, welche Themen beschäftigen Sie persönlich am meisten?

Nach einer sehr intensiven Zeit in der Aufbauphase ist nun etwas Ruhe eingekehrt. Nun gilt es vorsichtig abzuwägen, welche Einrichtungen und welches Personal reduziert werden können, ohne den erarbeiteten Vorsprung auf die Entwicklung der Lage einzubüssen und die Qualität der aufgebauten Strukturen trotzdem aufrechtzuerhalten. Momentan ist es enorm schwierig, den Verlauf der kommenden Tage und Wochen zu prognostizieren. Man möchte so viel wie möglich vorbereiten, aber so wenige Ressourcen wie nötig einsetzen. Gleichzeitig muss der Zivilschutz weiterhin für zusätzliche Ereignisse wie Unwetter oder Flüchtlingsströme gerüstet bleiben. Aber auch das Tagesgeschäft mit allen Projekten muss wieder zu rollen beginnen.

Sie sind seit dem 28. Februar im Einsatz. Wie hat sich Ihr Einsatz seither verändert?

Am Anfang ging es darum, sich in eine unbekannte Situation hineinzudenken und zusammen mit dem Amt für Gesundheit mögliche Lösungen und Schritte zu erarbeiten. Diese Zeit erlebte ich als sehr hektisch, die Zusammenarbeit musste sich zuerst einspielen. Nun hat sich die Situation entspannt; Abläufe und Strukturen funktionieren. Angehörige des Zivilschutzes sind auf allen wichtigen Positionen eingearbeitet und machen einen tollen Job. 

In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt testet der Zivilschutz bis zu 70 Personen pro Tag. Die Teststrasse wird von Zivilschutzangehörigen organisiert und betrieben (Bild: Zivilschutz AR)

Unter anderem sind Zivilschutzangehörige bei der Drive-In-Teststrasse im Einsatz. Wie funktioniert die Teststrasse und wie unterstützen die Zivilschutzangehörigen das Fachpersonal?

Das medizinische Fachpersonal führt den Test-Abstrich durch. Alle anderen Aufgaben werden vom Zivilschutz ausgeführt. Auch das Konzept, der Aufbau, die gesamte Logistik, die Erfassung und die Einweisung der Patientinnen und Patienten wurden und werden vom Zivilschutz erledigt.
Das Konzept der Teststrasse werden wir noch weiter entwickeln. Dieses System könnte auch für andere Tests oder in ähnlicher Form als „Impfzentrum“ verwendet werden. In der Betreuerausbildung in unserem Zivilschutz muss die Teststrasse künftig in die Ausbildung einfliessen.

Eine weitere Tätigkeit ist der Betrieb einer Hotline. Welche Arbeiten führt der Zivilschutz hier aus? Welche Themen beschäftigen die Anrufenden am meisten?

Die Hotline nimmt sämtliche Anrufe zu allen Themen entgegen. Anfänglich noch mit Mitarbeitenden aus dem Amt für Militär und Bevölkerungsschutz unterstützt, arbeiten nun grundsätzlich Zivilschützer in der Hotline. Für medizinische Fragen ist eine Medizinische Praxisassistentin vor Ort, welche diese Anliegen triagiert. Sie hält Kontakt mit einem Arzt, der über „testen“ oder „nicht testen“ entscheidet.
Zirka 50 Prozent der Anrufe sind medizinischer Natur. Oft geht es aber auch um Anfragen zum Verhalten, zu wirtschaftlichen Themen oder Anfragen für eine psychologische Beratung. Diese Anliegen werden an die betreffenden Stellen weitergeleitet. Der Zivilschutz leistet einen entscheidenden Beitrag, um die Leitungen für die Bevölkerung offen zu halten und die fachspezifischen Anfragen den richtigen Stellen zuzuleiten.

Wie wird das Engagement des Zivilschutzes in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

In der aktuellen Krise steht vor allem das Gesundheitspersonal im Mittelpunkt – das ist auch gut so, es ist an vorderster Front. Die Aufgabe des Zivilschutzes ist es, zu unterstützen. Dies geschieht oft im Hintergrund. Die Rückmeldungen von Einsatzkräften, Partnern oder der Bevölkerung sind sehr positiv. Es wurden uns auch schon Dankes-Chärtli zugeschickt.

Wie beurteilen sie selbst den Einsatz der Angehörigen des Zivilschutzes?

Die Motivation und die Einsatzbereitschaft sind sehr hoch. Alle bringen auch ihr Wissen und Können aus dem privaten Bereich ein, unsere Leistung ist auf einem professionellen Niveau. Das Milizsystem beweist die Einsatztauglichkeit einmal mehr, dafür möchte ich mich bei allen beteiligten Zivilschützern ganz herzlich bedanken!