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«Flexibilität war während des gesamten COVID-19-Einsatzes wesentlich»

Die Nationale Alarmzentrale NAZ verfolgt regelmässig die Entwicklung der bevölkerungsschutzrelevanten Lage im In- und Ausland. Begonnen hat das COVID-19-Ereignis im Ausland. Am 24. Januar 2020 wurde der Bundesstab Bevölkerungsschutz BSTB durch das Bundesamt für Gesundheit BAG für eine erste Direktorenkonferenz in die Lageentwicklung COVID-19 einbezogen. Seit dem 13. Februar 2020 ist die NAZ offiziell im Einsatz und hat seither verschiedene Aufgaben zugunsten der Bewältigung der COVID-19-Pandemie übernommen.

03.06.2021 | Kommunikation BABS

Interview mit Gerald Scharding, Chef NAZ
und Angela Schwab, Einsatzleiterin NAZ

Auf was für eine Zeit blicken Sie zurück?

Angela Schwab: Das letzte Jahr, geprägt durch den COVID-19-Einsatz, hat sich sehr unterschiedlich gestaltet. Insbesondere zu Beginn war die Belastung für alle hoch, da man sich als Organisation an die neue Situation anpassen musste. Es haben sich neue Themenfelder eröffnet, wodurch sich für die NAZ neue Aufgaben ergeben haben. Einige Strukturen und Prozesse mussten deshalb adaptiert oder neu entwickelt werden. Inzwischen sind diese Prozesse und auch die Zusammenarbeit mit den involvierten Partnerstellen gut eingespielt. Die NAZ konnte an den neuen Herausforderungen wachsen und hat die Chance genutzt, konzeptionelle Grundlagen auf Herz und Nieren zu prüfen.

Gerald Scharding: Es war eine turbulente Zeit mit verschiedenen Belastungen, auf verschiedenen Ebenen. Ich sehe dies persönlich aber ebenfalls als eine Herausforderung für die NAZ, die gezeigt hat, dass sich der Aufbau und die Struktur der Organisation bewähren. Den Lerneffekt, den diese neue Situation für die NAZ mit sich gebracht hat, schätze ich als gross ein. Wobei sich viele Erkenntnisse nach und nach ergeben haben und noch werden.

Welches waren die ersten Massnahmen, die durch die NAZ im Februar 2020 ergriffen wurden?

Gerald Scharding: Die NAZ hat die Lage im Ausland bereits im Dezember 2019 intensiv verfolgt und erste Kontakte mit den Partnerstellen aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich abgezeichnet, dass auch die Schweiz von der Corona-Pandemie betroffen sein wird – mit welcher Intensität war damals aber noch nicht absehbar. Im Februar 2020 wurde schliesslich der BSTB einberufen.

Angela Schwab: Die Entwicklung der Corona-Pandemie im Ausland wurde durch die NAZ laufend beobachtet, Informationen wurden eingeholt. Eine erste Massnahme war daher die Aktivierung des Partnernetzwerks. Als Einsatzleiterin musste ich zunächst die Stabsprozesse in Gang bringen, das heisst, einen Rhythmus für die Rapporte festlegen, Aufgaben definieren und verteilen, sowie eine Übersicht der Termine und Pendenzen herstellen. Eine erste zentrale Aufgabe besteht grundsätzlich immer darin, eine Übersicht zu schaffen und einen Führungsrhythmus zu definieren, damit die einzelnen Fachgebiete und man selber strukturiert und zielorientiert arbeiten können.

Angela Schwab, Einsatzleiterin NAZ, bei der Vorbereitung eines Lagerapports im April 2020. (Gerald Scharding, Chef NAZ, und Bild: Alex Kühni, ZEM)

Die Dimension des COVID-19-Ereignis ist neuartig. Wie hat sich dies auf die Organisation und die Aufgaben der NAZ ausgewirkt?

Gerald Scharding: Die Organisation der NAZ ist für rasch ablaufende Ereignisse aufgebaut. In einem solchen Fall, bei dem die NAZ unter hohem Zeitdruck steht, kann innert wenigen Stunden der Stab BR NAZ aufgeboten werden. Damit verfügt die NAZ über eine Personalressource von gut ausgebildeten, qualifizierten Spezialisten. Im aktuellen COVID-19-Ereignis konnte diese Unterstützung nur punktuell eingesetzt werden – Flexibilität war und ist daher während des gesamten Einsatzes wesentlich. Die Ressourceneinteilung musste aufgrund neuer Aufgaben immer wieder angepasst werden. Schliesslich wird die Auswertung des COVID-19-Ereignisses zeigen, ob gewisse Aufgaben allenfalls dauerhaft der NAZ zukommen.

Angela Schwab: Die NAZ ist eine Notfallorganisation, die bei Ereignissen rasch zum Einsatz gebracht werden kann. Darauf sind auch die Prozesse und die Organisation ausgerichtet. Das aktuelle Ereignis hat in seiner Dauer und Tragweite ein gesamtheitliches Verständnis auf die Ereignisbewältigung geschärft.

Welche Bereiche waren bzw. sind noch immer am stärksten beansprucht?

Angela Schwab: Generell intensiv ist die Mitarbeit in den verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen sowie teilweise auch deren Leitung. Die Abstimmung mit den Partnerstellen war dahingehend wichtig, um aufzuzeigen, wie die Spezialistinnen und Spezialisten der NAZ eingesetzt werden können, beziehungsweise wie und wo die NAZ unterstützen kann.

Gerald Scharding: Thematisch gibt es innerhalb der NAZ Fachbereiche die stärker involviert sind als andere. Durch den polyvalenten Ausbildungsansatz den die NAZ verfolgt, konnten die Mitarbeitenden jedoch von Beginn an flexibel eingesetzt werden.

Auf welche Leistungen sind Sie besonders stolz?

Angela Schwab: Dabei kommen mir drei Aspekte in den Sinn. Zunächst, dass die Unterstützung, welche die NAZ bei der Bewältigung des COVID-19-Ereignisses erbringt, durch die Partnerstellen geschätzt wird. Der zweite Aspekt ist, dass sich die Elektronische Lagedarstellung ELD der NAZ als Informationsdrehscheibe gut bewährt hat und auch durch die Partner breit genutzt wird. Und drittens, dass wir flexibel an neue Aufgaben herangetreten und diese effizient angegangen sind.

Gerald Scharding: Nicht zu vergessen ist, dass die NAZ im November 2019 von Zürich nach Bern umgezogen ist und kaum angekommen, bereits stark mit der Bewältigung des COVID-19-Ereignisses befasst war. Dabei schätze ich besonders, wie flexibel die Mitarbeitenden auf diese Situation und gewisse Unzulänglichkeiten, die zu diesem Zeitpunkt am neuen Standort existierten, reagiert haben. Aber auch, dass sich die gute Planung des Umzugs bewährt hat – die Bewährungsprobe kam tatsächlich früher als gedacht.

Danke für das Gespräch.

Interview: Linda Studer, Kommunikation BABS

Seit Beginn des COVID-19-Einsatzes der NAZ wurden über 200 Lagedossiers und rund 470 Lagekarten durch die NAZ erstellt und in der ELD publiziert. Zudem bereitet das Melde- und Lagezentrum der NAZ laufend Lageberichte der kantonalen Führungsorgane und Krisenstäbe sowie internationaler Partner auf und publiziert diese in der ELD.

Zuhanden des Bundesamtes für Gesundheit BAG wertet die NAZ das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung basierend auf Informationen seitens der Kantone, der Swisscom, der SBB sowie des Bundesamtes für Zivilluftfahrt BAZL aus. Zudem fasst die NAZ wöchentlich die Rückmeldungen der Kantone zur Kontrolle der Umsetzung von Schutzkonzepten in den unterschiedlichen Betrieben sowie die Zahlen zum repetitiven Testen in den Kantonen zusammen. Diese Auswertungen werden in verdichteter Form regelmässig auf der Website des BAG publiziert.

Bei Ressourcenfragen nimmt das Ressourcenmanagement Bund (ResMaB) eine koordinierende Aufgabe zwischen Leistungsbezüger und Leistungserbringer wahr. Über 4’000 Anfragen und Gesuche aus dem In- und Ausland wurden bisher bearbeitet.

Der Fachbereich Bundestab stellt die Stabsführung im BSTB sicher und unterstützt die Vorsitzende BSTB in organisatorischen wie auch administrativen Belangen.