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Eine Drehscheibe für alle Informationen

Der Bund ordnete die Schutzmassnahmen zur Pandemiebewältigung an – und die Kantone sorgten für deren unmittelbare Umsetzung. Für das dreisprachige Graubünden war die Kommunikation in der Krise eine spezielle Herausforderung.

15.06.2020 | Kommunikation BABS

Alexa Caduff, Leiterin der «CoronaComm» Graubünden, an der Arbeit.

Text in Rätoromanisch (Rumantsch Grischun)

Alexa Caduff hat ein ETH-Masterdiplom als Mikrobiologin und Immunologin, kennt sich mit Viren bestens aus und arbeitet seit Februar für die Kantonsverwaltung von Graubünden. Schon kurz nach Stellenantritt, als die Zahl der Covid-19-Infektionen Anfang März anzusteigen begannen, waren ihre Dienste besonders gefragt. Dank ihrem Fachwissen über Viren wirkte sie bei der Berechnung von Ausbreitungsmodellen mit. Und dank dieser frühen Analysen ordnete die Bündner Regierung drei Tage vor dem Bundesrat die ersten Lockdown-Massnahmen an.

Doch damit nicht genug: Was die Behörden im Kanton und beim Bund entschieden, war unmittelbar zu kommunizieren. Abermals war Alexa Caduff am richtigen Ort. In normalen Zeiten soll sie als Bevölkerungsschutzkoordinatorin im Amt für Militär und Zivilschutz tätig sein; in den letzten drei Monaten leitete sie nun die Kommunikationsdrehscheibe «Coronavirus» im Kanton Graubünden. Ihre Aufgabe: die breite Bevölkerung über den Stand der Krise informieren. «Intern und extern zu kommunizieren, ist eine schnelllebige Disziplin», weiss die ausgebildete Naturwissenschafterin inzwischen. 

Einblick in die Kommunikationsstelle und Hotline des Kantons Graubünden.

Bis zu 800 Anfragen pro Tag

Jetzt, Anfang Juni, geht es überschaubarer zu und her: «Die Zahl der Anfragen an unsere Hotline ist deutlich gesunken», so Caduff. Die Öffentlichkeit wartet auf die Rückkehr des Alltags. Doch der Beginn des Lockdowns herrschte Verunsicherung, und täglich gingen bis zu 800 Anfragen ein. «Wir setzten uns das Ziel, die per Telefon oder Email erhaltenen Fragen innerhalb eines Tages abschliessend zu beantworten.» Mit wenigen Ausnahmen gelang dies.

Um das grosse Informationsbedürfnis zu bündeln, baute der Kantonale Führungsstab in kurzer Zeit eine zentrale Kommunikationsdrehscheibe auf. Von Vorteil war, dass sich die Bündner «CoronaComm» vorbereiten und einrichten konnte, bevor die erste Anfragewelle eintraf. Zeitweise kommunizierten fast zwanzig Personen mit der Bevölkerung. Die Mehrzahl der Hotline-Mitarbeitenden waren Zivilschutzangehörige; ihnen zur Seite standen Juristen der Kantonsverwaltung, freiberufliche Journalisten, externe Kommunikationsspezialisten und Übersetzer.

Verzögerungen nur in einzelnen Fällen

Eine Besonderheit des weitläufigen Kantons Graubünden ist die Dreisprachigkeit. Gemäss dem kantonalen Sprachengesetz ist von Amtes wegen auf Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch zu informieren. Alle Texte aufzubereiten und in drei Sprachen zu übersetzen, kostet zusätzliche Zeit. In normalen, planbaren Zeiten würde dies kaum beanstandet. Während der Covid-19-Krise war jedoch eine zeitnahe und transparente Kommunikation wichtig. «Der Zusatzaufwand war eine spezielle Herausforderung», sagt Alexa Caduff.

Aufgabe der Bündner Kommunikationsdrehscheibe war, die Informationskanäle zu zentralisieren und die Mitteilungen inhaltlich zu synchronisieren. Hier gingen sämtliche Anfragen aus der Bevölkerung und den Medien ein. Ebenso glich die Drehscheibe intern ab, was und wie die Ämter kommunizieren sollten. Dabei profitierte man von kurzen Dienstwegen. Unklarheiten und Missverständnisse liessen sich jeweils schnell bereinigen.

Regelmässige Interviews mit Radio und Fernsehen

Da die Informationskette lang war, kam es vereinzelt zu Unklarheiten: «Weil die Erläuterungen zu den Anordnungen des Bundesrats immer später folgten, konnten wir wichtige Details bisweilen erst mit Verzögerung kommunizieren», sagt die Kommunikationsstellenleiterin. Zu Beginn des Lockdowns entstand zudem eine kurzzeitige Rechtsunsicherheit, ab wann genau die Skigebiete zu schliessen seien. Die Diskrepanz konnte allerdings rasch behoben werden.

Besonders verunsichert war die Bevölkerung in den italienischsprachigen Bündner Tälern, die direkt an das Tessin und Italien angrenzen. «Deshalb suchten wir den engen Kontakt zu Radio und Fernsehen», so Caduff. Zweimal pro Woche strahlte der Tessiner Kanal RSI ein Interview mit einer Vertreterin des Bündner Krisenstabs aus. Ein ähnliches Format übernahm das rätoromanische Fernsehen RTR, um über die neueste Entwicklung im Corona-Ticker in der vierten Landessprache zu berichten.
Für Alexa Caduff ist der temporäre Kommunikationseinsatz bald vorbei. Zu den positiven Erfahrungen zählt sie die gute Zusammenarbeit und das hohe Engagement unter allen Beteiligten. Und auch in ihrem angestammten Berufsfeld als Mikrobiologin konnte sie vom vertieften Einblick in die Pandemiebewältigung einiges lernen.