Referenzszenarien beim ABC-Schutz in der Schweiz

Zur Vorbereitung von Schutzmassnahmen

Chemieunfall, Seuche, „Dirty Bomb“: Die Schweiz hat mit einer ganzen Reihe von Gefährdungen zu rechnen. Die mit dem ABC-Schutz beauftragten Stellen arbeiten mit Szenarien, um die erforderlichen Schutzmassnahmen zu erarbeiten und laufend zu überprüfen. Ein Szenario beschreibt einen möglichen Ereignisablauf, stellvertretend und möglichst repräsentativ für eine Kategorie möglicher Gefährdungen. Die mit dem ABC-Schutz in der Schweiz beauftragten Stellen arbeiten mit solchen Szenarien, um die erforderlichen Schutzmassnahmen zu erarbeiten und laufend zu überprüfen.

Grundlagen aus dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS

Die vom Labor Spiez im Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS entwickelten ABC-Referenzszenarien sind die Grundlage für die Umsetzung des Projekts „Nationaler ABC-Schutz“ und der Strategie „ABC-Schutz Schweiz“. Die Bewertung der Risiken für die Szenarien stützt sich auf eine Methode, die es erlaubt, unterschiedliche Risiken mit einem einheitlichen Verfahren zu bestimmen und miteinander zu vergleichen. Die Methode wurde vom Fachbereich Risikogrundlagen und Forschungskoordination des BABS entwickelt.

Statistiken und Expertenschätzungen

Informationen zur Eintrittshäufigkeit und zu den Auswirkungen der Szenarien basieren auf Ereignisanalysen, Statistiken, Literatur, anderen Szenarien usw. Wo Informationen fehlen – etwa bei erheblichen Unsicherheiten über das Ausmass von Auswirkungen oder über die Ereignishäufigkeit bzw. Plausibilität von Szenarien – werden diese von Experten in Gruppendiskussionen geschätzt. Diese Expertenrunden orientierten sich an einer modifizierten Befragungsmethode des Delphi-Verfahrens, die eine effiziente Annäherung der Einschätzungen und eine Konsolidierung von Schätzwerten ermöglicht.

Für naturbedingte und technische Gefährdungen sowie für Anschläge

Die Wahrscheinlichkeit bzw. Häufigkeit, mit der ein Szenario eintritt, wird bei naturbedingten und technischen Gefährdungen möglichst präzise bestimmt – basierend auf Statistiken oder Expertenschätzungen. Wo eine Punktschätzung nicht möglich ist, wird die Eintrittshäufigkeit einer logarithmischen Klasse zugeordnet. Mutwillig herbeigeführte Ereignisse (z. B. Anschläge) lassen sich nicht frequentistisch beschreiben. Hier wird die Plausibilität des Auftretens innerhalb der nächsten zehn Jahre abgeschätzt, basierend auf subjektiven Wahrscheinlichkeiten. Dafür werden etwa die technische Machbarkeit eines Anschlags, die damit erzielbare Wirkung sowie die Erfolgschancen aus Sicht eines Angreifers beurteilt. Falls Präzedenzfälle vorliegen, werden diese ebenfalls berücksichtigt. Analog zu den Wahrscheinlichkeits- und Häufigkeitsklassen werden mutwillige Ereignisse einer Plausibilitätsklasse zugeordnet.

Wenige Referenzszenarien

Die Anzahl der Referenzszenarien ist niedrig gehalten. Trotzdem lässt sich damit das Bedrohungs- und Gefahrenspektrum vom Unfall über Naturkatastrophen bis zu Terror / Sabotage und machtpolitisch bedingten Ereignissen gut abdecken.

Folgende Szenarien wurden entwickelt:

Im A-Bereich

  • Kernkraftwerk-Unfall
  • Radiologische Bombe
  • A-Waffen-Explosion in Grenznähe zur Schweiz
  • Anschlag auf einen Transport mit hoch radioaktiven Abfällen

Im B-Bereich

  • Anschlag mit B-Toxin
  • Anschlag mit pathogenen Viren
  • Anschlag mit Anthrax
  • Pandemie – neuer, bisher unbekannter Erreger
  • Pandemie – Influenza
  • Tierseuche – Ausbruch MKS in der Schweiz

Im C-Bereich

  • Anschlag oder Unfall auf / bei Transport
  • Unfall in stationärer Anlage eines chemischen Betriebs
  • Anschlag mit toxischer Chemikalie
  • Anschlag mit C-Kampfstoff
  • C-Waffen-Angriff auf die Schweiz

Im N-Bereich

  • Erdbeben
  • Sturm
  • Hochwasser
     


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