print preview Zurück zur Übersicht Coronavirus: das BABS im Einsatz

Statusbericht des Zivilschutzeinsatzes im Rahmen der Corona-Krise

26.03.2020 | Kommunikation BABS

Der Zivilschutz im Coronavirus-Einsatz (© Ralph Ribi/St. Galler Tagblatt)
Der Zivilschutz im Coronavirus-Einsatz (© Ralph Ribi/St. Galler Tagblatt)
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Christoph Flury, Vizedirektor BABS

Grosse nationale Bedeutung für den  Zivilschutz zur Bewältigung der Corona-Pandemie

In den letzten Jahren und Jahrzehnten leistete der Zivilschutz häufig und regelmässig Einsätze zur Bewältigung bei Naturkatastrophen und anderen Notlagen. In der Regel waren diese regional und auch zeitlich beschränkt. Mit der Corona-Krise und dem Aufgebot durch den Bundesrat hat der laufende Einsatz des Zivilschutzes eine neue Dimension angenommen: Der Zivilschutz steht in der ganzen Schweiz und in sämtlichen Kantonen im Einsatz und trägt zur Bewältigung der Corona-Krise bei.

Zurzeit sind rund 5500 Zivilschutzangehörige aufgeboten und leisten vielfältige Einsätze. Weitere Zivilschützer haben bereits Voranzeigen erhalten, um sich jederzeit bereit zu halten. Dieses Aufgebot spiegelt die vielen und zunehmenden Unterstützungsbegehren, die insbesondere seitens des Gesundheitswesens und anderer Institutionen an die zivilen Krisenstäbe und den Zivilschutz gestellt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der im Einsatz stehenden Zivilschutzangehörigen je nach Entwicklung der Lage in den nächsten Tagen und Wochen noch zunehmen wird.

Die Einsatzdauer und die Anzahl der aufgebotenen und im Einsatz stehenden Zivilschutzangehörigen variiert je nach Lage und Bedarf von Kanton zu Kanton. Ein Schwergewicht ist vor allem in den Westschweizer Kantonen und im Tessin festzustellen. Aber auch in den Deutschschweizer Kantonen, so etwa in den Kantonen Solothurn, Schaffhausen, Zürich oder Graubünden wurde der Zivilschutz gross mobilisiert. Zu betonen ist, dass Aufgebot und Einsatzverantwortung bei den Kantonen bleibt.

Viele Zivilschützer haben sich freiwillig gemeldet

Ein Aufgebot für Schutzdienstleistende ist verbindlich. Den aufbietenden Stellen in den Kantonen und Regionen ist aber bewusst, dass beim Aufgebot von Zivilschutzangehörigen in der aktuellen Situation insbesondere auf unentbehrliche oder systemrelevante Mitarbeitende von kritischen Infrastrukturbetrieben Rücksicht genommen werden muss. Dies betrifft insbesondere Mitarbeitende im Gesundheitswesen oder in Betrieben, die für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Heilmitteln, Energie oder Wasser wichtig sind. Dazu gehören auch Verkehrs- und Transportunternehmen. Hier besteht – mit entsprechend begründeten Anträgen – die Möglichkeit von Dienstdispensationen. Umgekehrt stehen dem Zivilschutz Mitarbeitende zur Verfügung, die von vorübergehenden Betriebsschliessungen oder Kurzarbeit betroffen sind. Im Kanton Graubünden haben sich nach einem Aufruf viele Zivilschutzangehörige aus der Tourismusbranche für einen Einsatz gemeldet.

Die Unterstützung des Gesundheitswesens im Fokus

Zum Einsatz des Zivilschutzes: Ein Schwergewicht liegt in der Entlastung des Gesundheitswesens. Der Zivilschutz, vor allem die Betreuungsformationen, die dafür ausgebildet sind, unterstützen in allen Kantonen das Gesundheitswesen bei leichten Grundpflegearbeiten, der ambulanten Betreuung von Betagten und Pflegebedürftigen und weiteren Routinearbeiten wie Mahlzeitenverteilung oder Fahrdienste. Sie entlasten dadurch das Fachpflegepersonal und die Spitex. Der Zivilschutz betreibt zudem bei Spitälern und weiteren Gesundheitseinrichtungen Aufnahme und Triagestellen, führt Zutritts- und Eingangskontrollen durch, übernimmt logistische Aufgaben im Bereich von Schutzmaterial und Arzneimitteln oder transportiert Personal. Hinzu kommen permanent die Führungsunterstützung zugunsten der Krisenstäbe und der Betrieb von Hotlines für die Bevölkerung.

Ein Marathon für alle

Die Kantone entscheiden aufgrund des Bedarfs und der aktuellen Situation laufend über die zu erfüllenden Aufgaben und Einsätze. Zur Illustration ein paar konkrete Beispiele – pars pro toto – zu den Einsätzen in den Kantonen:

  • Im Spital in Muri, Kanton Aargau, unterstützt der Zivilschutz die Personenlenkung und Zutrittskontrolle.
  • Im Kanton Graubünden hilft der Zivilschutz vor allem den Spitälern und Pflege- und Altersheimen. Er führt Zutrittskontrollen und Erstuntersuchungen, wie Fiebermessen, durch. Und er unterstützt die Spitex bei der Verteilung von Mahlzeiten.
  • In sehr vielen Kantonen ist die Unterstützung des Zivilschutzes beim Betrieb von Corona-Hotlines für die Bevölkerung gefragt.
  • Im Spital Frauenfeld haben Pioniere des Zivilschutzes die Wieder-Inbetriebnahme eines stillgelegten Bettenhauses für die Schaffung von zusätzlichen Betten für COVID-Patienten unterstützt.
  • Der Kanton Waadt hat ein bis anhin beispielsloses Grossaufgebot seines Zivilschutzes veranlasst, zur breiten Unterstützung insbesondere der Einrichtungen des Gesundheitswesens bis hin zu Aufgaben wie der Betreuung und Unterbringung von Obdachlosen.

Bundesrat Alain Berset spricht in Zusammenhang mit der Bewältigung der Pandemie von einem Marathon für alle. Dessen sind sich auch alle Verantwortlichen in den Krisenstäben und die Kader und Angehörigen des Zivilschutzes bewusst. Der Zivilschutz verfügt über rund 76'000 Angehörige. Sie könnten, sollte sicht die Lage verschlimmern, aus dem Stand eingesetzt werden. Der Zivilschutz vermag aber ebenso einen 400- oder 800-Meter-Lauf wie einen Marathon zu bewältigen. Die Durchhaltefähigkeit für längerfristige Engagements  oder kürzere Einsätze der betroffenen Institutionen und Organisationen ist zugunsten der Bevölkerung in der ganzen Schweiz gegeben. 

Zivilschutz_Helpline
Eine der Zivilschutzaufgaben: Unterstützung der Helplines, ein Beispiel aus dem Kanton Nidwalden.