Die Ausbildung im Zivilschutz

Ausbildung

Ausrichtung auf Katastrophen und Notlagen

Die Ausbildung im Zivilschutz orientiert sich hauptsächlich an der Bewältigung von Katastrophen und Notlagen. Falls sich die sicherheitspolitische Lage zuspitzt und ein bewaffneter Konflikt droht, kann die Ausbildung entsprechend angepasst werden.

Grundfunktionen

In Abstimmung mit den Aufgaben des Zivilschutzes und um einen möglichst vielfältigen Einsatz der Schutzdienstpflichtigen zu ermöglichen, sieht das Ausbildungskonzept verschiedene Grundfunktionen vor:

  • Stabsassistent (für den Bereich Führungsunterstützung),
  • Betreuer (für den Bereich Schutz und Betreuung),
  • Pionier (für den Bereich Unterstützung),
  • Anlagewart (für den Bereich Logistik),
  • Materialwart (für den Bereich Logistik),
  • Koch (für den Bereich Logistik).

Zweigeteilte Grundausbildung von 10 bis 19 Tagen

Um einen möglichst breiten Einsatz zu ermöglichen, werden die Schutzdienstpflichtigen in einer Grundfunktion ausgebildet: Stabsassistent, Betreuer, Pionier, Anlagewart, Materialwart oder Koch. Die Grundausbildung besteht aus zwei aufeinanderfolgenden Ausbildungsmodulen: aus einer allgemeinen Grundausbildung (AGA) und einer funktionsbezogenen Grundausbildung (FGA). Sie dauert je nach Kanton insgesamt 10 bis 19 Tage.

1. Allgemeine Grundausbildung

In der allgemeinen Grundausbildung (AGA) wird allen Schutzdienstpflichtigen das nötige Grundwissen vermittelt. Dazu gehört die Information über Risiken und Gefahren, Bevölkerungsschutz und Zivilschutz, Alarmierung der Bevölkerung, Verhalten in Krisensituationen, Nothilfe sowie Führungsunterstützung.

2. Funktionsbezogene Grundausbildung

In der funktionsbezogenen Grundausbildung (FGA) folgt – getrennt nach den Grundfunktionen – die einsatzbezogene fachtechnische Ausbildung:

  • Der Stabsassistent unterstützt die Führung bei der Lageverarbeitung (Informationsbeschaffung, -auswertung, -verbreitung) und setzt die Telematikmittel (Übermittlungsgeräte) ein.
  • Der Betreuer hilft bei der Evakuierung und Betreuung gefährdeter, schutz- und hilfsbedürftiger Personen, steht Menschen in Gefahr bei und übernimmt Arbeiten in der Pflege.
  • Der Pionier bedient die Geräte des Unterstützungszuges fachgerecht. Bei zerstörter Infrastruktur sorgt er für Schadenminderung, Überbrückung und Instandstellung.
  • Der Materialwart ist zuständig für die Inventarisierung, die zweckmässige Lagerung, die Wartung und Bereitstellung des Materials und der Geräte des Zivilschutzes.
  • Der Anlagewart sorgt für die Funktionstüchtigkeit und Einsatzbereitschaft der technischen Einrichtungen in den Schutzanlagen des Zivilschutzes.
  • Der Koch unterstützt den Küchenchef und den Fourier (Rechnungsführer) bei der Planung, Organisation, Zubereitung und Verteilung der Verpflegung.

Frist ist einzuhalten

Die Grundausbildung ist innerhalb einer vorgegebenen Frist zu absolvieren:

  • Schutzdienstpflichtige, die nach der Rekrutierung eingeteilt werden, absolvieren ihre Grundausbildung bis zum Ende des Jahres, in dem sie 26 Jahre alt werden.
  • Schutzdienstpflichtige, die ohne Grundausbildung in die Personalreserve eingeteilt werden, können bis zum Ende des Jahres, in dem sie 30 Jahre alt werden, zur Grundausbildung aufgeboten werden.
  • Personen, die bei ihrer Einbürgerung älter als 25 Jahre alt sind, absolvieren die Grundausbildung bis spätestens zum Ende des Jahres, in dem sie 30 Jahre alt werden.
  • Personen, die freiwillig Schutzdienst leisten, absolvieren die Grundausbildung innerhalb von drei Jahren nach der Rekrutierung – ausser sie verfügen bereits über eine gleichwertige Ausbildung.

Für nähere Informationen: Kommandant oder Kanton

Grundsätzlich sind die Kantone für die Ausbildung im Zivilschutz zuständig. Bei weitergehenden Fragen zur Grundausbildung kontaktieren Sie am besten den Zivilschutzkommandanten Ihrer Gemeinde/Region oder die für den Zivilschutz zuständige Stelle des Kantons.

Spezialaufgaben für ausgewählte Schutzdienstpflichtige

Der Zivilschutz benötigt ein breites Spektrum an Personen mit Spezialkenntnissen. Mit einer Zusatzausbildung von maximal 5 Tagen können ausgewählte Schutzdienstpflichtige ihr Grundwissen für Spezialaufgaben ergänzen. Die Zusatzausbildung dieser Spezialisten kann direkt im Anschluss an die allgemeine und funktionsbezogene Grundausbildung oder auch später erfolgen.

Ausbildung durch Bund oder Kanton

Die Mehrzahl der Zusatzausbildungen wird durch die Kantone durchgeführt. Der Bund übernimmt Ausbildungen, die hauptamtliches Lehrpersonal mit besonderen Fachkenntnissen oder eine aufwändige Infrastruktur erfordern und die auf Stufe Bund wirtschaftlicher erfolgen können.

Zusatzausbildung beim Bund:

  • Der Sachkundige Strahlenschutz instruiert Personen und Formationen, die bei erhöhter Radioaktivität besondere Aufgaben zu erfüllen haben, über Strahlenschutzmassnahmen.
  • Der A-Spürer misst mit speziellem Messgerät die Radioaktivität und meldet die Resultate der vorgesetzten Stelle.

Beispiele von Spezialisten, die der Kanton ausbildet:

  • Der Psychologische Nothelfer ist beauftragt mit der psychologischen Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen in Einsätzen sowie mit der Nachbetreuung nach belastenden Einsätzen.
  • Der Kulturgüterschutz-Spezialist unterstützt den Chef KGS etwa bei der Planung der Schutzmassnahmen für Kulturgüter, leitet Einsätze von Freiwilligen und unterstützt die Einsatzdienste im Schadenfall.
  • Sanitäter wissen, wie Patienten richtig gelagert, getragen und transportiert werden. Sie können Verbände anbringen und leisten in besonderen Fällen Erste Hilfe.

Periodische Weiterbildung

Um die rasche Umsetzung von Neuerungen zu gewährleisten, haben die Spezialisten periodisch Weiterbildungen zu besuchen. Sie können innerhalb von 4 Jahren zu Weiterbildungskursen von maximal 12 Tagen aufgeboten werden.
 

Motiviertes Führungspersonal

Die Motivation der Schutzdienstpflichtigen und die Effizienz des Zivilschutzes hängen in hohem Masse von der Arbeit der Führungscrew ab. Die Kader sind für Führung, Ausbildung und Einsatzfähigkeit ihrer Formationen bzw. Bereiche verantwortlich. Die Führungsarbeit ist insbesondere das Resultat der eigenen Motivation und Fähigkeiten – und letztlich der Ausbildung. Wer im Zivilschutz eine Kaderfunktion übernimmt, muss deshalb einen Kurs von 5 bis 12 Tagen zum Gruppenführer, Zugführer oder zum Chef eines Sachbereichs absolvieren. Die Kaderausbildung zum Zivilschutzkommandanten dauert 15 bis 24 Tage, von denen 5 bis 12 Tage im Kanton absolviert werden können; zu 10 bis 12 Tagen bietet der Bund auf.

Zivilschutzkommando: Ausbildung durch den Bund

Der Zivilschutz wird vom Zivilschutzkommando geführt. Dieses besteht in der Regel aus dem Kommandanten bzw. der Kommandantin und einer Stellvertretung. Der Bund strebt mit seiner Ausbildung folgende Qualitäten an:

  • vertiefte Kenntnisse in den Bereichen Führung und Umgang mit Menschen,
  • organisatorische und administrative Fähigkeiten,
  • Fähigkeiten in den Bereichen Repräsentation und Beratung,
  • fundiertes Wissen über die Einsatzmöglichkeiten des Zivilschutzes.

Weiteres Kader: Ausbildung durch Bund oder Kanton

Neben dem Zivilschutzkommando bildet der Bund weitere Kadermitglieder aus. Der Bund übernimmt Ausbildungen, die hauptamtliches Lehrpersonal mit besonderen Fachkenntnissen oder eine aufwändige Infrastruktur erfordern und die auf Stufe Bund wirtschaftlicher erfolgen können. Dies betrifft die Ausbildung der Kader der Führungsunterstützung zugunsten der zivilen Führungsorgane (Sachbereiche Lage, Telematik, ABC-Schutz, Logistik) und des Kulturgüterschutzes. Das weitere Kader bilden die Kantone selbst aus, etwa Zug- und Gruppenführer Betreuung, Gruppenführer Sanität, Zug- und Gruppenführer Unterstützung oder den Chef des logistischen Elements und den Rechnungsführer.

Möglichkeit zur Verpflichtung

Schutzdienstpflichtige können verpflichtet werden, Kaderfunktionen zu übernehmen und die damit verbundenen Dienste zu leisten.

Periodische Weiterbildung

Um die rasche Umsetzung von Neuerungen zu gewährleisten, haben die Kader des Zivilschutzes periodisch Weiterbildungen zu besuchen. Sie können innerhalb von vier Jahren zu Weiterbildungskursen von maximal 12 Tagen aufgeboten werden.

Erhalten der Einsatzbereitschaft

Wiederholungskurse dienen in erster Linie der Überprüfung, Erhaltung und Verbesserung der Einsatzbereitschaft der Zivilschutzformationen. Zudem ermöglichen sie dem Kader, die notwendigen Führungserfahrungen zu sammeln. Wiederholungskurse lassen sich auch für Übungen im Verbund mit den anderen Partnerorganisationen des Bevölkerungsschutzes nutzen.

Jährliche Kurse

Um jederzeit für den Ernstfall vorbereitet zu sein, sind regelmässige Trainings nötig. Deshalb führt der Zivilschutz jährlich Wiederholungskurse von 2 bis 7 Tagen durch. Zivilschutzkommandantinnen und -kommandanten sowie deren Stellvertretungen können zu maximal 19 weiteren Tagen pro Jahr aufgeboten werden, die übrigen Kader sowie die Spezialisten zu höchstens 12 weiteren Tagen. Ebenfalls bis zu 12 zusätzliche Tage Wiederholungskurse sind für Schutzdienstpflichtige vorgesehen, die der Grundfunktion Materialwartin bzw. Materialwart oder Anlagewartin bzw. Anlagewart zugeteilt sind.

Unterschiedlichste Tätigkeiten

Im Sinne der obengenannten Zielsetzungen können in Wiederholungskursen folgende Tätigkeiten ausgeführt werden:

  • erworbene Kenntnisse auffrischen, vertiefen und erweitern,
  • neue Kenntnisse aneignen,
  • Planungen und Vorbereitungen für den Einsatz erstellen, überprüfen und testen,
  • die Zusammenarbeit von Formationen schulen,
  • die Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen schulen,
  • Material inventarisieren, lagern, instand halten, bereitstellen und entsorgen,
  • Schutzbauten kontrollieren, warten und unterhalten,
  • Ausstellungen und Informationsanlässe für die Bevölkerung, Behörden, Führungsorgane, Partner und Schutzdienstpflichtigen durchführen.

Zusätzliche Dienstleistungen

Neben dem eigentlichen Wiederholungskurs, in dem der Ernstfall trainiert wird, gelten weitere Dienstleistungen als Wiederholungskurse:

  • Rapporte, die vor allem der Information und Koordination dienen,
  • Kadervorkurse, bei denen Vorbereitungen für die Wiederholungskurse getroffen werden,
  • Dienst in der Zivilschutzverwaltung (bei zwingendem Bedarf).

Einsätze sind keine Wiederholungskurse

Einsätze bei Katastrophen und in Notlagen sowie Einsätze zugunsten der Gemeinschaft gelten nicht als Wiederholungskurse.


Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Monbijoustrasse 51A
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